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American Apparel
Der Wilde und Die Hemdchen
Sonntagsblick
Stephanie Bollag
June 5, 2005

Dov Charney verkauft nicht nur T-Shirts, sondern sich selbst und ein neues Kapitalismus-Konzept. Statt auf Models setzt er auf sein eigenes Gesäss und statt zu Hungerlöhnen in Asien nähen zu lassen, leistet er sich teure Angestellte in den USA. Und hat damit Erfolg. Jetzt kommt American Apparel mit einem eigenen Laden in die Schweiz

Ein Mann, nur mit einem T-Shirt bekleidet, hält sein blankes Gesäss in die Kamera. Was aussieht wie das Poster für einen Porno aus den Siebzigern, ist das Werbeplakat des grössten T-Shirt-Herstellers der USA. Und der leicht haarige Hintern gehört dessen Boss, Dov Charney. Für den Gründer und Mastermind von American Apparel ist Provokation eine Selbstverständlichkeit. «Wu sind jung, wir haben Spass, wir feiern, wir ficken und wir machen Geld, auf sozial verantwortliche Weise. Das ist cool.» Eben, was soll denn schon dabei sein. Im Übrigen verkauft es sich gut, schliesslich haben wir uns an nackte Haut in der Werbung längst gewöhnt, nicht aber an Pos von CEOs. Und so hat seine Unkonventionalität den gebürtigen Kanadier 2004 zum US-Unternehmer des Jahres gemacht. Dabei sind die T-Shirts von American Apparel alles andere als unkonventionell, fast nur ihre Farben unterscheiden sie. Sie haben weder Logo noch Aufdruck und sind alle aus Baumwolle. Die Exklusivität von American-Apparel-Shirts liegt nicht im Produkt, sondern in der Produktion.

Angefangen hat alles, als der junge Charney ein Internat im US-Staat Connecticut besuchte. Dort deckte er sich vor jeder Heimreise mit Baumwollshirts der Marke Hanes ein und verkaufte sie zu Hause auf der Strasse, weil diese in Kanada nicht zu kriegen waren. Später lieh er sich 2000 Dollar, kaufte T-Shirts und bedruckte sie mit dem Logo der Uni, an der er studierte. Innert sechs Wochen machte er so 4000 Dollar. Sein erstes eigenes T-Shirt entwarf er während der Liaison mit einer Stripperin. Es wird heute noch hergestellt. 1997 schliesslich, die Textilbranche war längst dabei, Produktion und Arbeitsplätze in Billiglohnländer zu verlegen, gründete Charney sein Unternehmen. Fünfmal in Folge gelang es ihm, den Umsatz zu verdoppeln - und das ohne Akkordarbeiter in der Dritten Welt. Das Erfolgsrezept klingt wie ein Märchen und heisst «Sweatshop free». Statt in einer menschenunwürdigen Schwitzbude in Fernost werden die T-Shirts mitten in Los Angeles gefertigt.



Dov Charney hatte von Anfang an eine Vision: wirtschaftlichen mit sozialem Erfolg zu vereinen. Mittlerweile beschäftigt der Querdenker rund 3800 Leute in seiner siebenstöckigen rosafarbenen Fabrik in Downtown Los Angeles. Vom Design über die Herstellung bis zu den Fotos und der Werbung, alles wird unter ein und demselben Dach produziert. Im Durchschnitt verdienen American-Apparel-Arbeiter und -Arbeiterinnen das Dreifache des US-Mindestlohns von 5,15 Dollar.

Ausserdem gibt es kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenlose Sprach-und Yogakurse, Massagen, Telefonpausen so-wie einen kostenlosen Fahrradservice. Die Arbeitsräume sind hell und gut belüftet. Die Arbeitsatmosphäre familiär. «Sozialistischer Kapitalismus», nennt Charney sein Konzept und dafür liebt ihn ganz Amerika. Die Bush-Anhänger, weil er dem Standort USA die Treue hält und Arbeitsplätze sichert, und die liberale Linke, weil er die Arbeiter fair behandelt und die Umwelt schont. So sind tatsächlich einmal alle zufrieden.

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