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Profit machen ohne Sklaverei
SIP-Textil
October 2003
Staff Writer

Schuften für T-Shirts, keine Entlohnung der Überstunden, unwürdige Arbeitsbedingungen, Missachtung der Arbeiterrechte - nicht bei American Apparel. Der 35-jährige Dov Charney, CEO des Textilherstellers in Los Angeles County, beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter und entlohnt sie weit über dem in Amerika üblichen Level. Mit seiner Philosophie "Profit durch Innovation, nicht durch Ausbeutung" ist er in den USA bereits berühmt geworden. Für den Vertrieb der Sweat-shop-Free-T-Shirts in Deutschland wurde nun die American Apparel GmbH mit Show-room in Düsseldorf gegründet.

"Obwohl Kleidung eine menschliche Notwendigkeit in allen Kulturen darstellt, produzieren Menschen die meisten Textilien weltweit unter unwürdigen Bedingungen", sagt Charney, den diese Zustände zu Beginn des dritten Jahrtausends sichtlich wütend machen. Die Ausbeutung, von der er spricht, vergleicht er mit der Sklaverei zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges und verurteilt sie auf das Schärfste.

Seiner Einschätzung zu Folge versuchten viele Textil-produzenten, durch billige Arbeitskräfte und unmenschliche Arbeitsbedingungen zumeist in Ländern der sogenannten "Dritten Welt" die Kosten zu drücken. Dabei würden nicht nur Fortschritt und technologische Innovationen völlig außer Acht gelassen, sondern die Rechte der Arbeiter mit Füßen getreten. Hauptsache billig.

Doch wer nun im Umkehr-schluss glaubt, die Produkte von American Apparel seien unbezahlbar, der täuscht sich. Auch Dov Charney ist Kapitalist genug um zu wissen, dass gute Preise der Textilien ür eine erfolgreiche Vermarktung unabdingbar sind. Doch sein ökonomisches Konzept ist eben anders und basiert in erster Linie auf der Idee, die Würde des Menschen zu achten.

In Los Angeles County hat die Bekleidungsindustrie eine große Tradition. 90.000 Menschen sind in der Textilpro-duktion beschäftigt, das sind 25 Prozent aller Erwerbstätigen. Die Produzenten, die sich nach einem Bericht der Los Angeles Times vom Januar 2003 zu zwei Dritteln nicht um die US-Gesetze hinsichtlich Mindestlöhne oder Überstundenregelungen scheren, bezahlen ihren Arbeitern im Durchschnitt $6,75 pro Stunde.

So widersprüchlich es auf den ersten Blick scheinen mag, so sagt Charney, spart er Geld, indem er seine Angestellten mit durchschnittlich $ 10 pro Stunde entlohnt und dafür sorgt, dass keine Arbeiterrechte verletzt werden. Seine Leute, darunter viele Immigranten, dürfen in der Firma kostenlos telefonieren, erhalten abends kostenlosen Englisch-Unterricht, können Massagen in Anspruch nehmen und werden - wie auch in Deutschland üblichsozial abgesichert. Damit erreicht er die höchste Motivation seiner Leute, einen niedrigen Krankenstand und eine effektive Produktion.

Und wenn es irgendwo in Los Angeles zu Arbeiterprotesten kommt, dann bestellt Charney einen Omnibus, um mit seinen Arbeitern den Protest der anderen zu unterstützen. Eben "eine Fusion der Ideen von Kapitalismus und Sozialismus", wie Charney, der Visionär und Entertainer zugleich ist, seine Philosophie umschreibt.

Nach seinen eigenen Worten ist American Apparel der einzige Textilhersteller in den USA, der seine Produkte komplett im Land produziert und dabei die Würde und die Rechte seiner Arbeiter immer im Blick hat. Charney: "Wir machen "Sweatshop Free" T- Shirts durch Innovation und Effizienz in unserer Produktion. Ausbeutung der Arbeiter ist völlig kontraproduktiv." Durch das Ausschalten von Sub-Pro-duzenten und Mittelsmännern, die sonst in der Regel in der textilen Produktionskette mitverdienen, spart er viel Geld, das er seinen Arbeitern zukommen lassen kann. Außerdem kann er die Produktion und die Arbeitsbedingungen vor Ort am einfachsten kontrollieren.

Aufgewachsen in einem Professoren-Haushalt übte sich Charney schon früh als Rebell. Mit elf Jahren machte er eine "Nachbarschaftszeitung". Sein erstes Geld verdiente er während seines Studiums bereits mit T-Shirts, die er in Kanada mit seinem Auto abholte, bei einem Freund bedruk-ken lies und in South Carolina verkaufte. Daraus wurde schnell ein Fulltime Job, der ihn bald zum Textilprodu-zenten machte.

Der Globalisierung entgegen

Mit seinem Unternehmen trotzt Charney dem Trend der Globalisierung: "Wir glauben, dass die Globalisierung in ihrer jetzigen Form die Entwicklung und Produktion in einer solchen Weise polarisiert hat, dass die Produktion in hohem

Maße ineffizient ist und den sozialen und auch ökologischen Belangen keinen Raum mehr lässt. Wir sind 1.000 Leute, die ihre Wurzeln in L.A. haben. Wir sind ein Teil der Gesellschaft hier, die Arbeiter wohnen gleich um die Ecke. Wir sind Teil der Politik und kämpften schon gemeinsam gegen die Einwanderungspolitik der Regierung." In diesem Miteinander sieht Charney die Stärke seines Unternehmens, das in den acht Jahren seit der Gründung rasant gewachsen ist.

Charney produziert Textilien - und zwar insbesondere für die Veredler, fürTrendstores, für den Markt der Cheerleader sowie für Sport und Promotion -und will damit auch Geld verdienen, doch mit seinem Unternehmen will er auch einen Beitrag dazu leisten, die Arbeitsgesellschaft zu verändern.

Umfangreiche Kollektion

So groß das politische Interesse Dov Charneys, so umfangreich ist auch das Produktportfolio von American Apparel.

Der Katalog im Format DIN A 5 zeigt über 60 verschiedene Artikel in bis zu 42 Farben. Die Range ist durchweg top-modisch und den Trends der Straße entlehnt. "Die Jugend regiert jetzt das Spiel, die jungen Leute prägen zukünftig die Kultur", so Dov Charney über seine Hauptzielgruppe. "Alles ändert sich: die Politik, die Kultur und die Mode."

Die Kollektion von American Apparel umfasst Girly-Artikel ebenso wie typische Men-Styles, klassische Shirts und Slim-Fit-Produkte, eine große Auswahl an Unterwäsche, Textilien für Kiddies und vieles mehr. Alle Produkte hier aufzulisten ist ein Ding der Unmöglichkeiten; allein der Katalog hat 62 Seiten Umfang.

Im vergangenen Jahr erzielte American Apparel mit der Produktrange einen Umsatz von 35 Millionen US-Dollar.

American Apparel GmbH
www.americanapparel.net