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Back to Press Archive
American Apparel
Wahre Arbeit - wahrer Lohn
JN'C Fashion Trend Magazine
February 2003

Dov Charney ist ein Mann mit Visionen, aber auch einer mit strengen Prinzipien. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die Philosophie hinter American Apparel, mittlerweile einer der vier wichtigsten und der am schnellsten wachsenden Shirtproduzenten der Vereinigten Staaten, zu verstehen. Es geht um technischen Fortschritt, um bestmögliche Qualität, um soziale Arbeits- und Lohnbedingungen, um kluge Standortpolitik und schließlich, um eine komplette Neustrukturierung dessen, was Arbeit in der Postmoderne überhaupt bedeutet. Trotz seiner erst knapp 34 Jahre ist Dov ein alter Businesshase. Im Alter von 18 Jahren gründete er American Apparel als gewöhnliche Shirtcompany in South Carolina. Produziert wurde da noch bei scheinbar günstigen Subunternehmern, irgendwo in Mittelamerika. Heute ist das anders - aber der Reihe nach. 'Mitte der neunziger Jahre ging das Textilgeschäft in South Carolina den Bach runter und ich entschied mich, nach Kalifornien zu gehen, wo der Apparelmarkt aufgrund der dort ansässigen Modeindustrie noch halbwegs intakt war. Durch meinen damaligen Geschäftspartner, der noch in seiner eigenen Fabrik in Los Angeles produzieren ließ, habe ich eigentlich das erste Mal echten Kontakt zu den Arbeitern bekommen und hinter die Kulissen geschaut. Ich habe gesehen, welche Arbeiten zu verrichten waren, wie alles funktionierte und welche Schwierigkeiten es gab. Der Faktor 'Arbeit' hat für mich danach einen völlig anderen Stellenwert bekommen', erzählt Dov. Die Konsequenz war eine gegen jeden produktionswirtschaftlichen Trend gerichtete Neuausrichtung des Unternehmens. Statt dem Zynismus des sogenannten Outsourcing zu folgen, das in den meisten Fällen nicht anderes bedeutet, als Arbeitsplatzvernichtung mit unmenschlichen Sweatshop-Arbeitsbedingungen zum Wohle des Profits zu begründen, steuerte American Apparel in genau die entgegengesetzte Richtung und setzte bewusst auf Inlands — oder besser Inhouse Produktion. 'Der Trick ist die Technik, der Ablauf und das Wissen darum. Während überall Fließbandproduktion vorherrscht, haben wir auf Teamaufteilung gesetzt. Inhouse Produktionen haben darüber hinaus den Vorteil, dass man mit ihnen lernt und sie ständig verbessern und optimieren kann - sei es nun im Bereich der Aufteilung oder auch direkt an den Maschinen.' Und es funktioniert - so gut, dass American Apparel mittlerweile über tausend Menschen in seinem bisher einzigen Werk in Los Angeles beschäftigt und über extrem flexible Lieferbedingungen, hohe Qualität, große Stilvielfalt, guten Service und nicht zuletzt auch vorbildliche Sozialleistungen Handel und Industrie zu überzeugen weiß. Natürlich sind wir etwas teurer als die T-Shirt Majorliegue um Hanes und Fruit of the Loom, aber wir stehen für echte Werte, echte Inhalte und echte Veränderungen und nicht nur für seelenlose, von Arbeitssklaven in irgendwelchen Billiglohnzonen gefertigte Produkte. Vielleicht wird es nicht mehr unsere Generation sein, die verändert, aber ich bin davon überzeugt, dass die ganzen Kids, denen derzeit noch von Werbung, MTV und Britney Spears das Gehirn gewaschen wird, anfangen werden zu hinterfragen, sobald sie die Kraft ihres eigenen Willens entdecken. Und ich gehe davon aus, dass sie sich dann nicht mehr für die institutionalisierten Brands entscheiden, sondern für Label mit Inhalten.' Wie aber sieht es mit den Sozialstandards der eigenen Arbeiterschaft aus immerhin wirbt man ja.mit dem Slogan 'Sweatshop Free. Für Dov lediglich eine weitere Seite ein und derselben Medaille. 'Der Grund für Globalisierung darf nicht die Ausbeutung eines großen Teils der Menschheit sein. So etwas ist krank. Wirtschaftliche Globalisierung kann nur auch soziale Globalisierung bedeutet und keinesfalls Apartheid. Die Arbeiter müssen Zugang zu Management und Design haben und vor allem auch zum Wohlstand und den Vorteilen der Unternehmenszugehörigkeit. Es muss ihnen möglich sein, sich zu beschweren, ohne dass sie Konsequenzen fürchten müssen. Lohnarbeiter haben diese Möglichkeit nicht. Sie haben keinen Zugang zu irgendeiner Unternehmensstabilität. Wenn ihre Arbeit getan ist, fliegen sie raus — von der Unterbezahlung und den Arbeitsbedingungen ganz zu schweigen. Unsere Arbeiter sind innen, d.h. sie sind ein Teil der Company, bekommen medizinische Versorgung, Lebensversicherungen, und wir bieten ihnen u.a. Unterstützung bei der Altervorsorge, Englischkurse, Kinderkrippenplätze oder auch nur mal eine große Party an. Es geht um ein menschliches und partnerschaftliches Miteinander.' Ein Miteinander, das sich auch in der Bezahlung widerspiegelt, die bei den Nähern bei durchschnittlich zehn Dollar pro Stufide liegt und damit mindestens 1,25 Dollar über dem kalifornischen Midestlohn. Tendenzmit dem Erfolg des Unternehmens deutlich steigend. " Mein Ziel ist es, weltweit American Apparel Fabriken zu öffnen — alle mit den gleichen Löhnen und den gleichen sozialen Standards. Ichwill beweisen, dass unser Konzept überall funktioniert, egal ob in London Paris oder Bangladesh. Ich will Teil eines langfristigen Effekts in der Textilindustrie sein, einer Veränderung und Humanisierung." Die ersten grossen Schritte dahin sind bereits getan.